Fürther Glanzlichter: Wenn Zuschauer zu Künstlern werden
Die Glanzlichter entstanden 2018 anlässlich des Jubiläums „200 Jahre eigenständig“. Seither gehört das Festival zum Fürther November. 2026 lautete das Motto „Jubiläen und Gedenktage“. Die zwölf Stationen waren an beiden Abenden von 17 bis 22 Uhr kostenlos zugänglich. Zu den Themen gehörten 25 Jahre Wikipedia, 100 Jahre seit dem Tod von Antoni Gaudí und Claude Monet sowie der 170. Geburtstag Nikola Teslas. Die Auferstehungskirche erinnerte an ihr 200-jähriges Bestehen. Lichtkunst zeigte sich dabei nicht als einheitliches Spektakel: Manche Arbeiten bespielten ganze Fassaden, andere nutzten Bäume, Bodenflächen oder die Bewegungen der Besucher als Teil der Gestaltung.
Den Auftakt der Bildstrecke bildet eine Fassade, die sich durch Projektionen ständig verwandelt. Ornamente, Figuren und kräftige Farben legen sich über Fenster und Gesimse. Die Architektur verschwindet dabei nicht, sondern gibt den Bildern ihren Rahmen. Genau darin liegt die besondere Wirkung solcher Lichtfestivals: Ein Gebäude, das tagsüber kaum Aufmerksamkeit verlangt, wird am Abend selbst zum Ereignis. Auf den Fotos aus Fürth ist die Veränderung deutlich zu erkennen. Mal dominieren warme Töne, mal leuchten ganze Wandflächen in Blau und Violett. Anders als eine gewöhnliche Beleuchtung erzählt die Projektion eine visuelle Geschichte. Wer länger stehen bleibt, sieht nicht nur ein einzelnes Motiv, sondern eine Folge wechselnder Bilder. Der öffentliche Raum wird so für wenige Stunden zur Galerie.
Am Hallplatz war Beteiligung ausdrücklich Teil des Konzepts. Tom Braunschedel nahm das 25-jährige Bestehen der Wikipedia zum Anlass für eine Installation am Amtsgericht. Besucher konnten über einen QR-Code digitale Figuren erstellen, die anschließend in der Projektion erschienen. Damit wurde aus dem Smartphone mehr als eine Kamera: Es diente als Werkzeug, um das Kunstwerk mitzugestalten. Die Idee passt zum Jubiläum der Online-Enzyklopädie, deren Inhalte durch Beiträge vieler Menschen entstehen. Die Bilder zeigen eine bunt bespielte Fassade und Besucher, die ihre Telefone einsetzen. Fürth verband hier die historische Architektur mit einem aktuellen Gedanken: Kultur im öffentlichen Raum muss nicht ausschließlich vorgeführt werden. Sie kann Menschen auch unmittelbar beteiligen. Ob jemand nur zusah oder selbst etwas beisteuerte, blieb jedem überlassen.
Auch jenseits der Fassaden nutzten die Künstler die Besonderheiten ihrer Standorte. In den Grünanlagen verwandelten farbige Projektionen Bäume und Sträucher in eine vielschichtige Lichtlandschaft. Die Konturen von Ästen und Blättern blieben sichtbar, während sich Farben und Muster darüberlegten. Auf den Aufnahmen wechseln helle Grünflächen mit violetten und roten Partien; stellenweise zeichnet sich das Publikum als dunkle Silhouette davor ab. Hier entsteht der Eindruck nicht allein auf einer ebenen Projektionsfläche. Vielmehr wird der gesamte Raum Teil der Inszenierung. Schon wenige Schritte verändern den Blickwinkel und damit die Wirkung. Gerade diese Arbeiten zeigen eine Stärke des Fürther Festivals: Die vorhandene Umgebung wird nicht bloß beleuchtet, sondern bewusst in das Kunstwerk einbezogen. So entsteht eine ungewöhnliche nächtliche Atmosphäre.
Zum Abschluss lohnt der Blick auf die Installationen mit gerichteten Lichtstrahlen. Schmale, helle Linien schneiden durch die Dunkelheit, treffen auf Fassaden und Boden oder verlieren sich über den Köpfen der Besucher. Die Fotografien halten dabei einen Moment fest, während die tatsächliche Wirkung vom Wechsel aus Licht, Bewegung und Standort lebt. Auch solche Arbeiten unterscheiden sich deutlich von klassischen Bildprojektionen. Sie machen nicht nur Oberflächen sichtbar, sondern lassen den Raum selbst anders erscheinen. Die Fürther Glanzlichter boten damit innerhalb weniger Straßen ein breites Spektrum: von farbenreichen Gebäudebildern über interaktive Beiträge bis zu Lichtkunst unter freiem Himmel. Einen Publikumspreis von 1.000 Euro konnten die Besucher mit ihrer Stimme mitbestimmen. Fürth zeigte, dass ein Lichtfestival keine Hauptstadt braucht, um eigene Ideen zu entwickeln.
Ein Artikel reicht nicht für die ganze Geschichte. Die Fürther Glanzlichter 2026 boten nicht nur eindrucksvolle Lichtinstallationen, sondern auch einen besonders schönen Rundgang durch die nostalgische Innenstadt. Historische Fassaden, stimmungsvolle Gassen und beleuchtete Plätze machten den Abend zu einem Erlebnis, das weit über die einzelnen Kunstwerke hinausging. Zwischen den Stationen zeigte sich Fürth mit seinen prächtigen Bürgerhäusern, liebevollen architektonischen Details und seinem unverwechselbaren historischen Charme von einer besonders reizvollen Seite. Während dieser Bericht die Lichtkunst und ihre Besonderheiten vorstellt, widmet sich SiSt24 Media ausführlicher der Atmosphäre des abendlichen Stadtspaziergangs. Dort stehen auch die Geschichte der Veranstaltung, die verschiedenen künstlerischen Ansätze und weitere Eindrücke im Mittelpunkt. Ergänzende Fotografien vermitteln einen zusätzlichen Eindruck von der besonderen Stimmung dieser beiden Novemberabende. Fürther Glanzlichter 2026 – Der ergänzende Bericht auf SiSt24 Media: https://sist24-media.eu/fuerther-glanzlichter-2026/